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Historisches und Launiges vom früheren Wirtschaftsleben

Am Startpunkt der Führung standen für die knapp 40 Teilnehmer zunächst Informationen im Mittelpunkt, warum es in Röthenbach bei St. Wolfgang schon im Mittelalter so viele Gastwirtschaften gab. Der Ort hatte den Vorteil, dass er genau an der historischen Salzstraße von Nürnberg nach Österreich lag und zudem Grenzort zum benachbarten markgräflichen Territorium war mit der Schwarzachbrücke als „Grenzübergang“.

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Weiterhin entsprach die Entfernung von hier nach Nürnberg genau einer Tagesreise der Fuhrwerke der Nürnberger Kaufleute, so dass hier die Kaufmannszüge auch Übernachtungsmöglichkeiten brauchten.


Eine weitere für die Röthenbacher gewinnbringende Bevölkerungsgruppe waren die Pilger auf Wallfahrt am Wolfgangsweg nach Österreich. Ein besonderer Wallfahrtsort nahe des Ortes war dabei die St. Wolfgangskapelle beim Schloss Kugelhammer in der Gauchsbachschlucht, die jedoch 1732 bei einem Hochwasser zerstört wurde und auch in Allersberg gibt es bis heute eine Kapelle, die St. Wolfgang geweiht ist. Diese Faktoren trugen erheblich dazu bei, dass schon im 15. Jahrhundert neben einer Dorfwirtschaft auch die heute noch erhaltenen drei großen Fuhrmannswirtshäuser in Röthenbach St. Wolfgang nachweisbar sind.


Große Gastwirtschaften mit Nebengebäuden und Innenhof

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Typisch für die drei „Fuhrmannswirtshäuser“ in Röthenbach St. Wolfgang sind bis heute deren Ensemble: Neben den ungewöhnlich großen Wirtschaften selbst gehört zu allen ein großer Innenhof - zum sicheren Abstellen der Fuhrwerke - sowie bei zwei Wirtshäusern noch erhalten die Nebengebäude mit Scheunen und Ställen.


Hier konnten die Waren und Pferde über Nacht sicher untergestellt werden, während die Kaufleute mit ihren Bediensteten und dem Begleitschutz im Wirtshaus übernachteten. Wie reich und fast schon „städtisch“ diese drei Wirtschaften ausgestattet waren, konnten die Führungsteilnehmer im „Gelben Löwen“ der Familie Kübler bewundern.


Erwin Kübler öffnete als Wirtschaftsbesitzer der Gruppe extra „Tür und Tor“ und zeigte im Inneren die historische Wendeltreppe und die freigelegten Wandmalereien von 1612 mit der Darstellung einer Hirschjagd. Auch zur Geschichte seiner Wirtschaft gab er gern Informationen, ist doch der „Gelbe Löwe“ bereits seit dem 18. Jahrhundert in Besitz seiner Familie.

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An der nächsten Station standen Informationen über die Schwarzach als frühere „Grenze“ zwischen der Reichsstadt Nürnberg und der Markgrafschaft Ansbach im Mittelpunkt. Hier verließen die Fuhrleute endgültig das Nürnbergische Landgebiet oder betraten es bei der Rückreise erstmals wieder.


Erst im 19. Jahrhundert besuchten die Röthenbacher auch die großen Wirtshäuser

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In Röthenbach St. Wolfgang gab es zudem ab dem Mittelalter auch eine „Dorfwirtschaft“ für die Ortsbevölkerung - die heute den Namen „Village Pub“ trägt. Erst spät im 19. Jahrhundert wurden die alten Fuhrmannswirtschaften auch für die Bevölkerung wichtige Treffpunkte, als in Röthenbach wie anderswo viele örtliche Vereine entstanden und in den Wirtschaften alle ihre Veranstaltungen abhielten.


Jede der drei Fuhrmannswirtschaften hatte zudem eine zusätzliche „Bedeutung“, auf die ebenso bei der Führung eingegangen wurde: So waren die Wirte vom „Gelben Löwen“ zugleich zuständig für die Einhebung und Aufbewahrung des „Zehnts“.


In der Wirtschaft zur „Goldenen Krone“ der Familie Haubner wurden mit dem Brauch des „Hänselns“ bei - aus heutiger Sicht - derben Spielen und Prüfungen traditionell die neuen Mitglieder offiziell in die Nürnberger Kaufmannszunft aufgenommen. In der Wirtschaft „Zur Post“ der Familie Brunner übernahm der Wirt zusätzlich die Aufgabe des „Postexpeditors“, da dieser Gasthof auch ein Haltepunkt für die Kutschen und Boten der Thurn und Taxis-Post war, zumal bis heute der Wirtschaftsname an diese lange Tradition erinnert.

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Andere „Nebenberufe“ der Gastwirte waren zudem früher oft die eines Metzgers oder eines Bäckers bzw. „Melbers“.


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Aber nicht nur viel historisches Wissen beinhaltete die Ortsführung, auch Launiges war geboten: Ergänzend zu den geschichtlichen Ausführungen trugen Katharina Polster und Bernd Kalb - von der örtlichen Theatergruppe der „Kunigunde Creutzer-Festspiele“ bekannt - Texte, Anekdoten und Sprüche rund ums frühere Wirtshausleben an den Stationen vor.


Dabei kamen Johann Wolfgang von Goethes Wirtshauserlebnisse ebenso zu Ehren wie Erinnerungen des Röthenbacher Gastwirts Georg Brunner ans frühere Gasthausleben und hochgeistige Weisheiten über Bier und Wein und seine nicht immer erfreulichen Folgen nach dem berühmten Glas bzw. Krug zu viel.

Bericht: Dr. Jörg Ruthrof

Letzte Änderung: 17.07.2017 14:57 Uhr