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Macht und Pracht in der Allerheiligenkirche

Das Thema „Macht und Pracht“ zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ passte bestens für die Kleinschwarzenloher Allerheiligenkirche:

Mehr als 100 Interessierte lernten bei drei Führungen in der Kirche durch das ehrenamtliche Führungsteam des „Freundeskreis Allerheiligenkirche“ in Kleinschwarzenlohe Beispiele im Kirchenraum dafür kennen und zusätzlich gab es für die Besucher im benachbarten Mesnerhaus als Stärkung an diesem Tag Kaffee und Kuchen.


Bei den Führungen um 11, 13 und 15 Uhr erfuhren jeweils mehr als 30 Teilnehmer vom Führungsteam des „Freundeskreis Allerheiligenkirche“ Details und Interessantes über die Geschichte der Kirche, ihre Bedeutung für Kleinschwarzenlohe und über deren reiche Ausstattung mit ihren Altären und weiteren Kunstschätzen als Zeichen von „Macht und Pracht“.


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Und nicht nur den Kirchenraum der jahrhundertelang unter dem Schutz der Nürnberger Patrizierfamilie Rieter von Kornburg stehenden Kirche zeigten die Führerinnen und Führer im Rahmen ihres Rundgangs, sondern auch den Dachboden und den Turm der Kirche als „Architekturschätze“.


1448 von zwei Kleinschwarzenloher Bürgern gestiftet, war der Bau der Kirche bis um 1503 abgeschlossen und bereits vor 1500 hatte die im nahen Kornburg ansässige Nürnberger Patrizierfamilie Rieter das Patronat für die Kirche übernommen. Als Patronatsherren des „Kirchleins in den Ähren“ am Ortsrand von Kleinschwarzenlohe bewiesen die Rieter damit bis zu ihrem Aussterben 1753 sowohl ihre Macht bei Entscheidungen betreffs der Kirche, sorgten aber auch durch die reiche Ausstattung der Kirche mit mehreren Altären und den Totenschilden ihrer Familienmitglieder für eine ungewöhnliche „Pracht“ in einer eigentlich typischen ländlichen Ortskirche.


Die Rieter von Kornburg - kunstsinnige Förderer und strenge Herren

Ebenso wie die zweite von ihnen geförderte Patronatskirche in Kalbensteinberg statteten die Rieter von Kornburg vor allem nach der Reformation die Allerheiligenkirche mit vielen heutigen Kunstschätzen aus: Als ideale Beispiele für „Pracht“ ließen sie bei Einführung der Reformation in der Reichsstadt Nürnberg viele bisher gestifteten Altäre und andere Stücke aus der Stadt in Sicherheit bringen, da sich in Nürnberg zunächst der „Calvinismus“ durchzusetzen schien, der auch die Zerstörungen von Kunstwerken des „alten Glaubens“ als Mittel zum Ziel für den neuen Glauben akzeptierte.


Nach kriegsbedingten Schäden im 2. Markgrafenkrieg 1552 gab es eine langjährige Gottesdienstpause und erst um das Jahr 1600 renovierte Hans Rieter als verantwortlicher Patronatsherr die Kirche. Dabei ersetzte er den ursprünglichen „Allerheiligen“-Hauptaltar durch den jetzigen „Apostelabschiedsaltar“ von Tilman Riemenschneider. Diesen Altar hatten die Rieter damals kurz zuvor der Patrizierfamilie Tucher abgekauft. Auf diese Renovierung geht auch das meiste der Ausstattung im Kirchenschiff mit der „Bauernempore“ und der durch eine einzige Holzsäule gestützten Balken-Bohlendecke zurück.


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Die Kirche war für die Bevölkerung im 17. Jahrhundert geschlossen

Auch Beispiele für „Macht“ lassen sich in der Kirche in großer Zahl finden:

Nach dieser Renovierung weigerten sich die Kleinschwarzenloher, für die Nutzung und den Erhalt der Kirche Abgaben zu zahlen, weshalb die Rieter als Kirchenpatrone die Kirche einfach abschlossen und so gut wie ungenutzt ließen. Erst nach dem 30jährigen Krieg - die ältere Familiengruft in der zerstörten Kornburger Nikolauskirche war nicht mehr nutzbar - wurde die Kirche wieder intensiver genutzt, denn jetzt bestatteten die Rieter hier ihre Familienangehörigen in einer neuen Gruft bis zum Aussterben 1753 und hängten zur Erinnerung an die Toten in der Kirche Totenschilde auf.


1753 erbte das Nürnberger Heilig-Geist-Spital den Rieterschen Besitz und nach 1806 verwaltete die Stadt Nürnberg den Spitalbesitz. Deswegen wäre die Kirche fast im frühen 19. Jahrhundert auf staatliche Anordnung abgerissen worden - erst der Einspruch des Kornburger Pfarrers rettete damals das Bauwerk, da die Kirche für Beerdigungsfeiern und mit ihrer Glocke als Feuerglocke dringend gebraucht wurde. Die Kirche blieb deshalb erhalten und weiterhin im treuhänderischen Besitz der Stadt Nürnberg, bis die Stadt die Allerheiligenkirche 1968 in die Obhut der evangelischen Kirchengemeinde Kornburg-Kleinschwarzenlohe übergab.

Letzte Änderung: 11.09.2017 15:25 Uhr