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Der „Ludwigskanal“ brachte das Ende für Kugelhammer

Warum schützte ein „Turmhaus“ früher hier eine Wolfgangskapelle und ein mittelalterliches „Metallwerk“ und welche weitere besondere Bedeutung hatte das Schloss Kugelhammer mit seinen Besitzern für Röthenbach bei St.Wolfgang? Was hat bis heute die 1709 begründete Schlüsselfeldersche Familienstiftung mit diesem historischen Ensemble und anderen Baudenkmäler zu tun?

Antworten darauf und auf weitere Fragen bot die aktuelle historische Ortsführung der Gemeinde Wendelstein im Schlossgelände und am benachbarten „Ludwigskanal“. Mehrere Einlagen der Theatergruppe im Heimatverein durch Anni Kniesburges und Bernd Kalb bei der Führung ergänzten die Informationen mit Bezug zum alten Ludwigskanal wie zum Schloß und zu Röthenbach bei St.Wolfgang.

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Trotz sommerlicher Hitze kamen mehr als 30 Interessierte zum Treffpunkt der Führung am Tor zum Schlossareal. Hier gab es zunächst Informationen, warum außerhalb von Röthenbach im Mittelalter in Verbindung mit der „Salzstraße“ von Nürnberg über Regensburg nach Österreich ins Salzkammergut und den Salzburger Raum der Heiligenkult um Regensburgs Bischof Wolfgang der Grund war für ein befestigtes „Turmhaus“ am „Doos“ - an einem Wasserfall des Gauchsbachs. Ein finanzieller Grund der aufblühenden Reichsstadt Nürnberg war zusätzlich die Wassernutzung für ein Hammerwerk zur  Metallverarbeitung - für den namensgebenden „Kugelhammer“.


Vor weiteren Informationen zu „Kugelhammer“ als Schloss galt die nächste Station bei der Führung dem „Brückkanal“ direkt beim Schloss. In seiner Bauzeit in den 1840er Jahren ein technisches Wunder als „Kunstbau“ des „Ludwig-Donau-Main-Kanals“, wurde die Kanalstrecke hier mit einem Brückkanal über den Gauchsbach geführt.

Die durch das Brückenbauwerk regulierte und erheblich reduzierte „Energiebelieferung“ für die unterhalb der Schloßanlage stehende Sägmühle mit Hammerschmiede - zeitweise sogar als Papiermühle genutzt - mit Wasser sorgte jedoch mit „Inbetriebnahme“ des Ludwigskanal 1846 für die Stilllegung der Mühle mit späterem Abriss.

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Ein „Turmhaus“ als Schutzbau ab 1350

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Auf den Schlosshof in Kugelhammer - die Schlüsselfeldersche Familienstiftung hatte dafür extra das Schlossgelände geöffnet - gab es von Historiker Dr. Jörg Ruthrof als Führungsleiter weitere Informationen.

Zum Schutz eines „Zeidelguts“ und der St. Wolfgangskapelle in der angrenzenden Gauchsbachschlucht wird erstmals 1350 ein „Steinhewslein“ erwähnt, das im 1. Markgrafenkrieg 1449 zerstört wird.

Dessen Nachfolgebau wird im 2. Markgrafenkrieg 1552 „verpronnen“ (abgebrannt) und geplündert. Erst 1607/08 beendet die Patrizierfamilie Nützel - seit 1579 Besitzer des Schlosses - mit dem Neubau des heute erhaltenen „Herrensitzes“ den Wiederaufbau aller Gebäude.


Seit der Zeit vor 1500 in Besitz Nürnberger Patrizierfamilien, „erbt“ Johann Carl Schlüsselfelder von Kirchensittenbach bei der Heirat mit Helene Haller von Hallerstein deren elterlichen Besitz Kugelhammer. Da seine Ehe kinderlos ist, beschließt er für das Gesamterbe 1709 eine Stiftung zu gründen - die „Schlüsselfeldersche Familienstiftung“. 

Als „Administratoren“ (Verwalter) wirken seither in wechselnder Verantwortung die Patrizierfamilien seiner Schwager Kress von Kressenstein (bei Neunhof/Nbg.) und Welser von Neunhof bei Lauf. Als die erbberechtigte Linie Welser 1878 ausstirbt, rückt als deren Erben die Familie Volckamer von Kirchensittenbach nach.


Eine weitere Führungsstation im Schlossgelände war der frühere Platz der Wolfgangskapelle in der Gauchsbachschlucht. Mehrfach wiederaufgebaut, wurde die Kapelle 1732 bei Überschwemmungen des Gauchsbachs durch regenstarke Monate endgültig zerstört.

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Bis heute erhalten ist eine auch aktuell mit Wasser gefüllte „Quellstube“ im Felsen mit weiteren in die Felsen eingetieften und angelegten früheren Wandstrukturen, die Hinweise auf den ehemals zweigeschossigen Kapellenbau geben. Nischen und eine Wasserrinne in der Felswand deuten auf weitere „Heiltumselemente“ des heute vergessenen Wallfahrtsplatzes hin.

Bericht: Dr. Jörg Ruthrof

Letzte Änderung: 21.06.2022 09:38 Uhr